Medizinisches Cannabis in Ihrer Praxis

Ganz gleich ob Sie medizinisches Cannabis in Ihrer Patientenbehandlung noch nicht verschrieben oder bereits erfolgreich eingesetzt haben - von uns erfahren Sie alles Wissenswerte zu Studienlage, gesetztlichen Richtlinien und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Die Grundlagen

Die Verwendung von aus Cannabis hergestellten medizinischen Präparaten kann über 5.000 Jahre zurückverfolgt werden. Dies macht Cannabis zu einer der ältesten Heilpflanzen.

Cannabis

Mehr als 500 Naturstoffe wurden bislang in der Cannabispflanze identifiziert.

 

Dazu gehören die medizinisch wichtigen Cannabinoide, Terpene, Flavonoide und andere nicht-cannabinoide Bestandteile.

 

Diese Verbindungen werden in hoher Konzentration in den Drüsentrichomen produziert, den pilzähnlichen, harzabsondernden Drüsen, die sich auf der Oberfläche der weiblichen Cannabisblüte befinden.

Cannabinoide

Es gibt mehr als 100 Cannabinoide in Cannabis, die im menschlichen Körper mit den endogenen Cannabinoidrezeptoren interagieren:

 

  • Endocannabinoide – werden im Körper auf natürliche Weise produziert
  • Phytocannabinoide – sind in vielen Pflanzen vorhanden, aber in den höchsten Konzentrationen in der Cannabispflanze
  • Synthetische Cannabinoide – halb- oder vollsynthetische Analoga von THC (wie z.B. Dronabinol)

THC (Δ-9-Tetrahydrocannabinol) ist einer der Hauptwirkstoffe von Cannabis. Es ist für viele seiner pharmakologischen Wirkungen verantwortlich, darunter auch die psychoaktive. 

CBD (Cannabidiol) ist ein weiterer Hauptwirkstoff von Cannabis. Von CBD ist nicht bekannt, dass es eine dem THC vergleichbaren euphorisierenden Effekt hat. Vielmehr kann es sogar helfen, diesem entgegenzuwirken.

Aktivierung der Cannabinoide

Inaktive Delta-9-Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) und Cannabidiolsäure (CBDA), die auf natürliche Weise in der Pflanze vorkommen, müssen zu neutralen Phenolen (THC und CBD) decarboxyliert werden, um mit dem Endocannabinoidsystem interagieren zu können. Dies geschieht, wenn getrocknete Cannabisblüten erhitzt werden.

Terpene und Flavonoide

Terpene und Flavonoide sind die primären aromatischen Verbindungen in Cannabis. Terpene haben möglicherweise eine direkte physiologische Wirkung. Zudem könnten sie mit Cannabinoiden in Wechselwirkung stehen und würden somit die individuellen Wirkungen einzelner Cannabissorten erzeugen.

Dies wird als Entourage-Effekt bezeichnet, eine Hypothese, die die potenziellen Wechselwirkungen zwischen den Cannabinoiden, Terpenen und anderen Inhaltsstoffen von Cannabis beschreibt.

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Das Endocannabinoidsystem

Das Endocannabinoidsystem (ECS) ist ein in allen Wirbeltieren vorhandenes Lipid-Signalisierungssystem, das eine bedeutende Rolle bei der Homöostase (Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustands) im gesamten menschlichen Körper spielt. Das ECS besteht aus endogenen Rezeptoren, Liganden und Stoffwechselenzymen.

Es ist für folgende Prozesse von Bedeutung:
  • Neuronale Entwicklung
  • Immunfunktion
  • Appetit
  • Stoffwechsel und Energiehomöostase
  • Psychomotorisches Verhalten
  • Knochenentwicklung und Erhaltung der Knochendichte
  • Wach-Schlaf-Rhythmus
  • Regulation von Stress und Gemütszustand
  • Verdauung
  • Synaptische Plastizität und Lernen
  • Fortpflanzung

Fehlfunktionen werden mit folgenden Prozessen in Verbindung gebracht:

  • Entzündungen
  • Psychische Erkrankungen
  • Neuropathische Schmerzen

Rezeptoren

Das ECS besteht aus den Rezeptoren CB1 und CB2, zwei endogenen Agonisten (oder Endocannabinoide) sowie aus Enzymen, welche Endocannabinoide synthetisieren oder abbauen.

 

CB1-Rezeptoren finden sich in höchster Konzentration im zentralen und peripheren Nervensystem und im Magen-Darm-Trakt.

 

CB2-Rezeptoren finden sich vor allem im Immunsystem, einschließlich der Mandeln, der Milz, der Lymphknoten und der zirkulierenden Lymphozyten und Neutrophile.

 

Auch wenn diese Cannabinoidrezeptoren im gesamten ZNS vorhanden sind, ist es wichtig festzuhalten, dass der Hirnstamm nur eine äußerst niedrige Konzentration davon aufweist. Dies betrifft insbesondere den Bereich der für die kardiorespiratorische Kontrolle verantwortlich ist. Eine durch Cannabinoidkonsum verursachte lebensgefährliche Kardio- oder Atemdepression ist folglich nahezu unmöglich.

Aktivierung von CB1-Rezeptoren

Dieses Schema einer neuronalen Verknüpfung zeigt die Aktivierung von CB1-Rezeptoren durch Endocannabinoide. Dieser retrograde Signalisierungsmechanismus erlaubt die Regulierung der Neurotransmission auf eine präzise räumlich-zeitliche Weise.

 

  1. Endocannabinoide werden als Reaktion auf zelluläre Anforderungen in der postsynaptischen Endigung produziert.
  2. Diese Liganden wandern durch den synaptischen Spalt und binden sich an Cannabinoidrezeptoren (z.B. CB1) die sich auf den Zelloberflächen am präsynaptischen Nervenende befinden.
  3. Einmal stimuliert, lösen die Cannabinoidrezeptoren eine Signalkaskade aus, die die Freisetzung von Neurotransmittern in den synaptischen Spalt unterdrückt (z.B. Glutamate, Gamma-Aminobuttersäure, Dopamin, Cholecystokinin).
  4. Die Unterdrückung von Neurotransmittern verändert die Häufigkeit der postsynaptischen neuronalen Ausschüttung.

Applikation

Inhalation

Patienten können medizinisches Cannabis mittels eines Vaporisators inhalieren, wobei die bioaktiven Verbindungen aktiviert werden ohne das Pflanzenmaterial zu verbrennen.

Das Cannabis wird dabei bis zu einer Temperatur erhitzt, bei der die Cannabinoide und weitere Inhaltsstoffe der Pflanze verdampft werden ohne das die durch Verbrennung entstehenden toxischen Nebenprodukte freigesetzt werden.

Die Inhalation vermindert daher die durch Rauchen verursachten Schäden und ist zugleich eine effizientere Art, die chemisch aktiven Bestandteile von Cannabis zu extrahieren. Auch ist der Verlust von Cannabinoiden im Nebenstromrauch geringer, was zu einer deutlichen Kosteneinsparung gegenüber dem Rauchen führt.

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